Hugh  -  geboren am   10.Mai 2017

Wenn ich von Hugh (gesprochen Ju - wie Hugh Grant) erzähle, muss ich sofort lächeln. Hugh ist der Lausbub unter unseren Rindern. Immer ein freches Grinsen im Gesicht, immer zu Späßen aufgelegt und Unfug im Sinn. Als männliches Jerseyrind war bereits unmittelbar nach seiner Geburt in einem biolandwirtschaftlichen Betrieb in Niedersachsen klar - er ist ein Abfallprodukt. Wertlos für den Betrieb. Die weiblichen Kälber werden aufgezogen und später im Milchbetrieb benutzt, die männlichen Kälber werden Kalbsleberwurst oder Hundefutter. Hugh und sein Brüderchen Henry hatten Glück, sie durften zunächst in ihrem Geburtsstall bleiben. Der Bauer wollte sie nicht zum Schlachter geben und suchte nach einer anderen Option. Das ist selten und ungewöhnlich in der Landwirtschaftsbranche. Gemeinsam mit Kindern haben wir im Mai 2018 Hugh und Henry dem Bauern abgekauft - für insgesamt 270,- Euro, die ein wundervoller Tierfreund für den Kauf gespendet hatte.  Für Hugh haben wir zunächst einen Platz auf einem Lebenshof in Hessen gefunden. Wir haben Hugh im Juni 2018 von einem Tierarzt kastrieren lassen, damit sein Leben inmitten der Herde einfacher ist. Wir haben entschieden, dass er seine Hörner behält, für den Rest seines hoffentlich langen Lebens. Sein 2. Lebenssommer war wunderschön, eine riesige Weide, viele Spielkameraden, tierliebe Menschen, die Äpfel und Möhren fütterten und über seine Späße und Lebensfreude lachten. Es gibt seit diesem Sommer 2018 Paten, die für Hughs monatlichen Lebensunterhalt aufkommen. Im Frühjahr 2019 spitzte sich die Situation auf dem Lebenshof dramatisch zu. Missstände wurden uns gemeldet und der Vereinsvorstand beschloss Hugh und auch unsere weiteren Rinder Wolke und Henry von dort wegzubringen.  Unser Trio reiste in Richtung Aachen nach NRW. Hier verbrachte Hugh einen weiteren schönen Sommer und Herbst und Winter. Im Sommer 2020 erhielten wir das Angebot unsere mittlerweile fünfköpfige Herde in einem Naturschutzgebiet in Rheinland Pfalz unterzubringen. Wir haben uns das Gebiet und die Haltungsbedingungen angesehen, hatten intensive Gespräche mit dem begleitenden Landwirt und waren begeistert. "Der Gipfel dessen, was man im Tierschutz für Tiere erreichen kann" - Freiheit und Selbstbestimmtheit und kein Ende durch den Schlachttod. Mit dem Landwirt wurde eine Versorgung mit Wasser und Heu für die Wintermonate von Oktober bis April vereinbart,  gegen Zahlung eines ordentlichen, monatlichen Betrages für Futter und Aufwand. Im September 2020 sind wir umgezogen und wähnten unsere Rinder im Paradies. Bereits im November beschlichen uns die ersten Zweifel, die sich Anfang Januar 2021 bestätigten. Hugh ist sehr krank geworden. Die naturnahe Haltung im Feuchtgebiet forderte ihren Tribut. Sofort stand für uns fest, wir müssen noch einmal umziehen und zwar schnell. 

Hugh ist derzeit auf einer privaten Pflegestelle untergebracht, er wird liebevoll betreut und tierärztlich behandelt. Wir alle haben uns große Sorgen um unseren Jungen gemacht. Aber vorsichtiger Optimismus macht sich breit, er ist auf dem Weg der Besserung und kann hoffentlich bald zu seiner Rinderfamilie zurück. Und dann hat er allen Grund zu staunen. Denn - 

wir sind noch einmal weitergezogen. Ab jetzt läuft es in Eigenregie. Für Dich, mein lieber Hugh.

 

Wir haben Lehrgeld gezahlt! Große Ideale und Tierliebe reichen nicht aus! Tierschutz ist auch ein Geschäft und der sachunkundige Tierschützer ein gutgläubiger Kunde. Wir haben aus unseren Fehlern gelernt. 

An unserem Lebensort für Kühe im Aubachtal beteiligen wir ein Netzwerk von Fachleuten.  Von der Kuhkuschlerin über die Expertin für die naturfreundliche Rinderernährung bis hin zum Landwirt mit Erfahrung in der Praxis der Rinderhaltung haben wir diesmal alle im Boot - und,  und das ist das Wichtigste - wir behalten alle Fäden in der Hand und üben tägliche Kontrolle.  

Mone  - Vorsitzende von Wir - Kind und Tier eV.